Freundeskreis der Festspiele besichtigt Nibelungenlied-Denkmal

Am 25.5.2016 lud der Vorstand des Freundes- und Förderkreises der Nibelungen-Festspiele die Mitglieder auf den Torturmplatz an der Wormser Stadtmauer ein, um das Nibelungenlied-Denkmal näher kennenzulernen. Es war ein wirkliches Kennenlernen, denn nur wenige der Nibelungenfreunde waren zuvor vor Ort gewesen, um das Denkmal sich anzusehen, obwohl es sich schon seit vielen Jahren dort befindet. Der bekannte Wormser Künstler Horst Rettig war vom Freundeskreis zusammen mit seiner Frau Monika und seiner Tochter Madeleine Rettig eingeladen worden, um rund um das außergewöhnliche Denkmal zu informieren.

Mitglieder am Nibelungenlied-Denkmal

Nach kurzer Begrüßung durch die Vorsitzende Dr. Sabine von Ehrlich-Treuenstätt erläuterte Horst Rettig vor Ort zunächst die Konzeption des Torturmplatzes mit dem Grab des Siegfrieds auf den zwei rotbraunen Hinkelsteinen, ein von Eichfelder geschaffenes Kunstwerk, dem in derselben Achse liegenden 2003 von Rettig geschaffenen Nibelungenlied-Denkmals und der 2007 auch von Rettig aufgestellten „Wächterin“. Diese steht aufrecht mit ausgeprägtem Rückgrat als Stele vor der alten Stadtmauer mit Blick auf das Denkmal. „ Sie steht auch als Symbol für die Trümmerfrauen, mit ganz persönlichem Bezug in Erinnerung an meine Großmutter, aber auch an alle die starken Frauen, die die Stadt nach dem Krieg wieder aufgebaut haben, so Rettig.

Das Nibelungenlied-Denkmal ist neben Micha Ullmanns unterirdischer Bibliothek in Berlin das einzig unterirdische Denkmal, das es in Deutschland gibt. Eine wirkliche Besonderheit.

In 7 m Tiefe wurde eine Edelstahlkartusche in eine Polyethylenröhre versenkt. In dieser Kartusche befindet sich der komplette Text des Nibelungenliedes auf Mittelhochdeutsch in der sogenannten C-Fassung in Lasertechnik auf 61 Ronden. Auf drei weiteren Ronden sind Daten der Bohrung und Texte zum Thema Frieden gelasert.

Über der Einlassstelle liegt eine Bodenplatte aus Corten A Stahl mit einer Granitplatte am oberen Ende. Auf der Granitplatte ist ein Text dargestellt, frei nach Arnulf Kienast der beratend für den Nibelungeliedtext zur Seite stand. Auf der Metallplatte ist ein symbolischer Schlüssel und das Wort „PAX“ (Frieden) zu sehen.

„Meine Intention war, das Nibelungenlied als eines der bedeutendsten Schöpfungen deutscher Sprache für die Nachwelt hier in Worms zu verorten. Das Lied ist der Schatz“

so Rettig. Wenn vielleicht alle oberirdischen Denkmäler nicht mehr existieren, dieser – der in der Tiefe bewahrte Schatz wird für die Nachwelt überdauern.

Eine geniale Idee, wie die Freundeskreismitglieder fanden. Nach der Besichtigung auf dem Platz ging die Gruppe ins Nibelungenmuseum, wo die Kunsthistorikerin Madeleine Rettig im vollbesetzten Vortragsraum einen sehr interessanten Power Point Vortrag hielt über die bauliche Umsetzung, den Aufbau, die Materialien des Nibelungenlied-Denkmals und vieles mehr.

So enthält die versenkte Kapsel z.B. auch eine Ronde, auf der eine genaue Zeitangabe in Form der Marskonstellation im August 2003 gelasert ist. So kann noch in tausenden von Jahren das Jahr, in dem das Denkmal verortet wurde, bestimmt werden. Diese Zeitangabe wurde vom Heidelberger Max-Planck-Institut zur Verfügung gestellt. Zu seiner Zeit als eine Veröffentlichung in der Zeitschrift „Nature“ noch nicht erfolgt war. Rettig musste eine eidesstattliche Erklärung abgeben, das Geheimnis bis zur Veröffentlichung zu bewahren. 2013 wurden die vom geologischen Institut Mainz aufgearbeiteten Bohrfunde als großformatig gedruckte Makroaufnahmen der Öffentlichkeit im Rahmen einer Ausstellung präsentiert. Diese und viele andere spannende Details begeisterten das Publikum und am Ende des Vortrags war man sich einig, dass das Nibelungenlied-Denkmal auf dem Turmplatz auch für die Gäste der Festspiele ein interessanter Ort sein könnte.

Zum Schluss der Veranstaltung überraschte der Künstler mit einem Originaldruck der „Wächterin“ für jedes anwesende Freundeskreismitglied.